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Die Schweizer sind immer wieder für eine Überraschung gut: Die geplante Bahn-Fahrt mit dem Gotthard Panorama Express von Luzern nach Lugano beginnt auf einem Schiff. Ahoi: Da freut sich der Besucher aus dem Norden!

Gotthard Panorama Express: Wenn die Bahnfahrt auf dem Schiff beginnt

Gotthard Panorama Express

Ach, wir stechen in See? Ja, wenn auch nicht in die See, sondern in den See, genauer: in den Vierwaldstättersee in der Zentralschweiz. Gleich gegenüber vom Luzerner Bahnhof, wirklich nur wenige Schritte von den Gleisen entfernt, wartet ein prächtiges, historisches Dampfschiff am Pier, um mich (und zahlreiche weitere Passagiere) über dieses riesige Wasser nach Flüelen zu schippern. Dort, am anderen Ende des Sees, steige ich drei Stunden später dann wirklich in den Zug, der mich über und durch das mächtige Gotthardmassiv ins Tessin bringen wird. Klingt spannend.

Gotthard Panorama Express: Es geht über den Viewaldstättersee

Gotthard Panorama Express

Das Wetter hätte aber besser sein können: Es regnet leider den ganzen Tag und zeitweise aus allen Eimern. Selbst die Selfie-süchtigen Asiaten hält es heute nicht lang an Deck. Und dennoch, die Fahrt über den Vierwaldstättersee lohnt sich auch so. Das wunderschön aufpolierte, fast 90 Jahre alte Schiff, die „Stadt Luzern“, reckt stolz den Bug in die Wellen. Links und rechts drücken mächtige, Wolkenfetzen-verhangene Berge gegen die Ufer des Sees, als wollten sie Mensch und Schiff einschüchtern. Mystisch wirkt das. Die Kulisse ist auch bei Schietwetter filmreif. Nur ab und an verirrt sich mal ein Sonnenstrahl vom Himmel auf die „Luzern“ und lässt ihre glänzende Messing-Glocke am Bug kurz aufblitzen. Da vorn muß man aufpassen: Kommt das Wasser mal nicht von oben, überrascht den unerfahrenen Passagier schon mal die Gischt von unten.

Noch weiter unten, im dicken Bauch der „Luzern“, rumpelt, dampft, pfeift und tönt es unaufhörlich. Die Maschinisten haben alle Hände voll zu tun, den Kessel unter Druck zu halten, um den Schaufelrädern der „Luzern“ die nötige Kraft zu geben, sich durch die schweren Wasser zu pflügen. Volldampf voraus. Schon viele Stunden vor dem Ablegen am Pier muß der Kessel vor- und aufgeheizt werden. Sonst läuft nämlich nichts. Die Maschinisten an der gewaltigen Gleichstromdampfmaschine machen einen guten Job und sind nicht zu beneiden: Die ganze Fahrt über ackern sie hier unten in der feucht-warmen, manchmal heißen Luft des fensterlosen Raums, während die Touristen oben an Bord fürstlich zu Mittag tafeln, die Seele baumeln lassen oder die beeindruckende Landschaft genießen. Respekt!

Diese Landschaft, an der die „Luzern“ vorbeischippert, hat viel Geschichtliches zu bieten. Da ist zum Beispiel der Schillerstein, ein 25 Meter hoher Monolith, der nach der Bucht von Brunnen aus dem Wasser ragt. 1895 wurde er zu Ehren Friedrich Schillers, dem Autor des Geschichtsdramas „Wilhelm Tell“ in ein Schillerdenkmal umgewandelt.

Ein Stück weiter passiert die Luzern das „Rütli“, die berühmteste Waldwiese der Schweiz. Der Sage nach hat hier die Schweizerische Eidgenossenschaft ihren geschichtlichen Ursprung. Vertreter der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden schworen hier im Jahre 1291 den „Rütlibund“ und gründeten damit die Schweiz. Das Rütli liegt in 480 Metern Höhe, hoch oben über dem Ufer des Urnersees, eines Seitenarms des Vierwaldstättersees, und ist autofrei. Es kann nur mit dem Schiff oder über einen einstündigen Fußmarsch erreicht werden.

Und dann ist da noch die berühmte Tellskapelle, die die Passagiere zu sehen bekommen. Die Kapelle wurde 1879/80 auf der „Tellsplatte“ erbaut, an einer Stelle am Ufer, wo sich Wilhelm Tell der Sage nach mit einem Sprung aus dem Boot von Hermann Gessler gerettet haben soll. Eben dieser Gessler, der „Reichsvogt in Schwyz und Uri“, fiel später in der berühmten „Hohlen Gasse“ einem Pfeil aus Tell’s Armbrust zum Opfer. Berühmte Geschichte – nachzulesen bei Schiller. Und ein Stück erlebbar hier auf dem Vierwaldstättersee.

Gotthard Panorama Express

Knapp drei Stunden nach Verlassen des Piers in Luzern legt der Schaufelraddampfer in Flüelen an. Jetzt geht es mit dem Zug weiter auf der historischen Gotthard-Bergstrecke nach Bellinzona im Tessin, im Süden, auf der anderen Seite des imposanten Gotthardmassivs. Zwei Stunden dauert die Fahrt nach Bellinzona, und eine weitere halbe Stunde bis Lugano.

Gotthard Panorama Express -

Auch in Flüelen sind es nur ein paar Schritte bis zu den Gleisen des Bahnhofs, wo der Panorama Express bereits wartet. Ein freundlicher Zugbegleiter der Schweizerischen Bundesbahnen SBB nimmt seine Fahrgäste in Empfang. Später ist er ein gern gesehener Ansprechpartner, der im Zug allerlei Auskunft zur Strecke und den Sehenswürdigkeiten gibt. Infos gibt es auch über den Bordlautsprecher in Hülle und Fülle: Viersprachig macht die Ansage vom Band auf die Besonderheiten von Tunnels, Kehren, Ortschaften und den geschichtlichen Hintergrund der Gotthard Bahn-Strecke aufmerksam.

Gotthard Panorama Express

Das Besondere am Gotthard Panorama Express sind die Panorama-Wagen der Ersten Klasse. In den Waggons ist es ungewöhnlich hell, weil die Fensterscheiben nicht nur sehr groß sind, sondern sich zur Decke hin wölben und so den Blick auch nach oben freigeben. Die Sicht auf die Berge ist somit auch dann frei, wenn sich der Zug durch schmale Engen und Schluchten zwängt. Und das tut der Panorama Express während der Fahrt über und durch das Gotthardmassiv sehr häufig: Peu à peu schraubt sich „das Bähnli“ von 470 auf 1.100 Meter Höhe, passiert auf einer doppelten Kehrschleife die auf einer Anhöhe thronende berühmte Kirche von Wassen, durchquert das naturgewaltige Urner Reusstal, überwindet dessen tiefe Schluchten, fährt über eine Brücke nach der anderen (auf der gesamten Strecke werden es mehr als 200 sein!), zwängt sich durch geradezu aberwitzig konstruierte Kehrtunnels und erreicht bei der Ortschaft Göschenen schließlich die berühmteste aller historischen Schweizer Bergdurchbohrungen, den 1882 eröffneten, 15 Kilometer langen Gotthardtunnel.

Gotthard Panorama Express

Knapp zehn Minuten dauert die Fahrt durch den Tunnel, dann geht allen Bahnreisenden ein Licht auf: In Airolo, in 1142 Metern Höhe, scheint die Sonne. Vergessen sind die dunklen Wolken und der Regen in der Zentralschweiz. Willkommen im Tessin, der mediterranen Südschweiz! Von hier aus folgt eine pittoreske Fahrt durch die Leventina und die Piottinoschlucht. Zwischen Rodi-Fiesso und Biasca überwindet der Gotthard Panorama Express zwei Geländestufen mit jeweils zwei Kehrtunnels und schraubt sich innerhalb einer halben Stunde 650 Höhenmeter ins Tal hinab. Dann heißt es Aussteigen in Bellinzona oder Umsteigen, wenn man weiter nach Lugano zu fahren will.

Gotthard Panorama Express: Was für eine Fahrt!

Was für eine Fahrt! Die Reise mit dem Gotthard Panorama Express ist „Geschichte auf Schienen und Bootsplanken“. Es geht über Berge und Wasser. Der Passagier erlebt nicht nur die grandiose Natur, sondern lernt auch einen Teil der spannenden Geschichte der Schweiz kennen. Es gibt Momente, da weiß man garnicht, wo man zuerst hinschauen soll. Vor allem, wenn sich der Zug über die imposanten Kehrschleifen schlängelt, wenn sich der Waggon mal nach links und mal nach rechts neigt und die großen Panorama-Fenster den Blick auf majestätische Berge oder in respekteinflößende Schluchten freigeben.

Gotthard Panorama Express

Der Gotthard Panorama Express ist Teil der Grand Train Tour of Switzerland (klick!), einem Bahn-Reiseerlebnis von vier bis acht Tagen, welches die schönsten Panoramarouten der Schweiz verbindet. Acht verschiedene Routen auf mehr als 1200 Kilometern Bahnstrecke werden angeboten. Der Gotthard Panorama Express gehört neben dem Glacier Express, dem Bernina Express und der GoldenPass Linie zu den vier „Premium-Panoramazügen“. Interessant: Mit dem SBB-Fahrausweis „Swiss Travel Pass“ sind innerhalb des gebuchten Zeitraums (3, 4, 8 oder 15 Tage Gültigkeit) alle öffentlichen Verkehrsmittel in der gesamten Schweiz kostenfrei, also auch die Panorama-Züge. Es müssen lediglich geringe Zuschläge für Sitzplatzreservierungen gezahlt werden. Ein acht Tage gültiger „Swiss Travel Pass“ kostet in der 1. Klasse CHF 596,– und in der 2. Klasse CHF 376,–. Jugendliche unter 26 Jahren zahlen weniger (Stand Frühjahr 2017).

Gotthard Panorama Express

Weitere Infos gibt es bei Schweiz Tourismus:


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